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Zwangsvereinigung
oder: Hirnlose Strukturänderungen

Die Spatzen pfeifen es längst von den Dächern: Gemeindezusammenlegungen scheitern überwiegend, aber die kirchlichen Verantwortlichen lassen sich davon nicht beeindrucken. Es ist wie in der Politik: die Ideologie bestimmt das Gesetz des Handelns. Um die seelsorglichen Akvitäten glaubwürdig zu präsentieren, nennt man sie in fortschrittlichem Soziologendeutsch „pastoraler Prozess“. Darunter kann man alles fassen, was irgendwie nach Veränderung riecht. Noch fehlt die politische Modebegründung: „alternativlos“.

Mit „pseudowissenschaftlichem Imponierjargon“ (Brezinka) wird argumentiert, dass die Gemeinden schrumpfen und die Gläubigen in einem Pastoralverbund von drei oder mehr Gemeinden heute etwa so viel zählen wie vor 20 Jahren in einer der durch Zusammenlegung suspendierten Gemeinden damals. Darüber hinaus wird das Schreckgespenst des Priestermangels bemüht. Dass dieser z.T. hausgemacht ist, verschweigt man, weil es unangenehme Fragen gäbe: warum man denn z.B. Priester aus einer Diözese wegschickt, obwohl sich diese nur eines haben zuschulden kommen lassen, dass nämlich ihre Gemeinden seelsorglich bestens betreut waren!? Das spricht aber gegen den Priestermangel.

Ein Zauberwort soll das unangenehme Bauchgefühl beiseite drängen: „Als Gemeinden können wir nur überleben, wenn wir noch stärker zusammenrücken, vieles gemeinsam tun, unsere Stärken leben und nicht jeder für sich alles selbst anbieten.“ So steht es im Weihnachtspfarrbrief 2012 St. Sturmius und St. Maria im Pfarrverbund St. Bonifatius Fulda, der den Gemeindezusammenschluss am 1.1.2014 ankündigt. Dieser modellhafte Satz könnte in den meisten Gemeindebriefen deutscher Diözesen stehen. Wie das in der Praxis aussieht, lehren Erfahrung und der gesunde Menschenverstand:

Wie jede politisch verantwortete Kreisreform zeigt, erzeugt jede Bündelung bürokratische Ungetüme. Statt größerer Nähe der Kirche zum Menschen wird der Puffer „Bürokratie“ zwischen ihn und den Seelsorger gezwängt. Wehe dem Gläubigen, der sich einfallen lässt, außerhalb der Bürostunden zu sterben, etwa nachts oder zur Zeit des Mittagsschlafs der Geistlichkeit! Darüber hinaus ist der Seelsorger nur in den ihm per Dienstanweisung vorgeschriebenen (Arbeits-)Stunden erreichbar. Und was nicht in den Pastoralverbundsräten beschlossen worden ist, darf ein mit dem Titel Pfarrer arbeitender Seelsorger nicht tun. Ein verlorenes Schaf darf nur über bürokratische Strukturen in die Herde zurückgeholt werden – aber bitte nur während erlaubter Bürostunden!

Bonn, 09.01.2013

V.i.S.d.P. Reinhard Dörner, Vorsitzender



ZPV 26.06.2017
http://papsttreue-vereinigungen.de/erklaerungen.php?datum=9.1.2013_2