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Ist der Herr mit uns?
Oder sind wir von allen guten Geistern verlassen?

Ein klerikaler Sommerfrischler auf der Insel Norderney – Priester der Erzdiözese Köln - hielt in der dritten Juliwoche eine Abendmesse, in der er die Formel verwendete: „Der Herr ist mit euch!“. Da diese ungewöhnliche Art des Grußes – ein Wunsch kann es wohl nicht sein – im Messverlauf wiederholt wurde, konnte es sich kaum um einen Hörfehler gehandelt haben. Beim Friedensgruß, der für den Schreiber völlig unerwartet kam, nahm er die Hand des Priesters und flüsterte ihm zu, der Segenswunsch heiße „Der Herr sei mit euch“, eine Tatsachenfeststellung sei hier fehl am Platze. Immerhin war der Zelebrant so konsterniert, dass er sich beim gesungenen Schlusssegen in der Melodie verhaspelte.

Nach der hl. Messe wollte sich der Priester wohl rechtfertigen für sein liturgisches Freispiel, bei dem er auch den Embolismus „schlabberte“ neben anderen schon fast üblichen Eigenmächtigkeiten. Für Argumente zeigte er sich unzugänglich, fast jedes zweite lautete bei ihm, das sehe er anders. Katholiken seien durch Taufe und Firmung im Herrn, daher sei ein neuerlicher Wunsch unzweckmäßig. Dass es sich bei der hl. Messe um einen liturgischen Akt handle, ließ er nicht gelten. Schließlich musste der Schreiber das Argument auffahren, der Priester sei gegen die Anordnungen der Kirche ungehorsam.

Es geht hier also eindeutig um ein liturgisches Problem, das ohne Zweifel von unseren Bischöfen als Verantwortlichen nicht ernst genug genommen wird. Nach der liturgischen „Freiphase“ nach dem Konzil, also ohne verbindliche Vorgaben für die Liturgie, und nach Einführung des Novus Ordo hielt es der seinerzeitige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Höffner für angeraten, die Priester zu ermahnen, dass sie sich ab jetzt an die von der Kirche approbierte Norm halten sollten. Aber nach dieser Freiphase hatte sich der freigesetzte Ungeist so eingenistet, dass sich viele Priester berechtigt fühlten, die hl. Messe nach ihrem Verständnis abhalten zu können. Leider gab es Bischöfe, die mit schlechtem Beispiel vorangingen.

Da der genannte Sommergast aus Köln kommt, wäre es Aufgabe seines Bischofs Kardinal Woelki, bei seinen Priestern die Einhaltung der liturgischen Normen einzufordern. Statt dessen verwendet der kardinale Gutmensch ein Flüchtlingsboot, um daran die hl. Messe zu feiern. Ob dieses in der Öffentlichkeit beachtete Zeichen seines Wohlwollens und seiner Sympathie für die „Flüchtlinge“ den Vorschriften für die Zelebration an einem konsekrierten Altar entspricht, mögen berufene Leute nach den Richtlinien der Kirche beurteilen. Solange Bischöfe ihrer Verantwortung zur Durchsetzung der liturgischen Normen nicht nachkommen, werden sich Menschen „ihre“ liturgische Heimat suchen. Es ist merkwürdig, dass man bei Bischöfen hinsichtlich der Bitte, für die Einhaltung der liturgischen Normen Sorge zu tragen, nahezu auf taube Ohren stößt.

Bonn, 27.07.2016
V.i.S.d.P.: Reinhard Dörner, Vors.